Reparieren statt wegwerfen, tauschen statt kaufen: Repair Café und Share The Schrank in Aarau

Reparieren statt wegwerfen, tauschen statt kaufen: Repair Café und Share The Schrank in Aarau

Heute war ich wieder im Repair Café in Aarau zwischen 10 und 14 Uhr im Einsatz als Daniel Düsentrieb. In Repair Cafés kannst du deine defekten Dinge gemeinsam mit Reparaturprofis reparieren. Die kostenlosen Reparaturveranstaltungen bieten die Möglichkeit, etwas gegen den Ressourcenverschleiss, geplante Obsoleszenz und die wachsenden Abfallberge zu unternehmen. Ganz nebenbei wird dein Portemonnaie geschont, du triffst neue Leute und kannst dich bei Kaffee und Kuchen unterhalten.

Knacknuss

Auf meinem Werkbank landete ein Föhn von Trisa, der laute Geräusche machte. Zusammen mit einem anderen «Flicker» öffneten wir den Föhn mit Müh und Not: einerseits gab es da Schlitzschrauben mit nur drei Schlitzen und andererseits musste man höllisch aufpassen beim Auseinandernehmen, dass nichts kaputt ging.

Denn so ein Plastik-Föhn ist nicht dafür konstruiert, dass er sich einfach reparieren lässt. Abgesehen von den Schrauben, die vielleicht auch aus Sicherheitsgründen nicht mit normalen Schraubenziehern bedienbar sind, war die Plastik-Ummantelung des Föhns eine Knacknuss.

Vorprogrammierter Fail

Als wir dann den Föhn nach einer gefühlten Stunde geöffnet und die Welle des Motors geölt hatten, fanden wir den Übeltäter: damit der Motor fest im Föhn arretiert bleibt, wurde dieser mit einer Art Klemme befestigt. Und die war gebrochen. Weil sie aus Plastik war. In einem Föhn, der stark erhitzt wird. Und an einer Stelle, die dauernd dreht. 😔

Geplante Obsoleszenz, nennt man so etwas. Produkte werden so gefertigt, dass irgend etwas nach einer geplanten Dauer vorbestimmt kaputt geht. In diesem Fall hat der Hersteller wohl absichtlich ein Teil aus Plastik eingebaut, damit dieses nach einer Weile bricht und den Föhn entsprechend komisch klingen lässt, da der Motor zuviel Spiel hat.

Versteckter Zauber in Drucker

Als zweiten Patient hatte ich einen Epson-Drucker vorliegen, der nicht mehr druckte. Der Fall war leider nicht lösbar, da der Tintenstrahl-Drucker zwar neue Patronen eingesetzt hatte, der Drucker aber über ein Jahr lang nicht benutzt wurde. Entsprechend waren vermutlich die Patronen ausgetrocknet. Auch eine manuelle Druckkopfreinigung mit Lösungsmittel half nichts.

Im letzten Repair Café hatte ich einen ähnlichen Fall. Dort gab der Drucker die Meldung, dass der Druckkopf kaputt sei oder nicht erkannt werden könnte. Etwas Googlen brachte mich dann zur einfachen, wenn auch WTF-igen Lösung: es gibt bei HP-Druckern ein «verstecktes» Service-Menu (meistens 3-4 Mal rasch nacheinander auf die inaktive Zurück-Taste drücken). Über dieses Menu kann man den Drucker komplett auf die Werkseinstellungen zurücksetzen und der Drucker vergisst dann, wieviele Seiten er schon gedruckt hat. Und entsprechend verschwand auch der programmierte «beschädigte oder fehlerhafte Druckkopf» wie von Geisterhand und der Drucker druckte wieder problemlos. Eigenlich skandalös, aber leider sind solche Taktiken weit verbreitet. Ein gutes Buch dazu ist Kaufen für die Müllhalde: das Prinzip der geplanten Obsoleszenz von Cosima Dannoritzer und Jürgen Reuss.

Selbst aktiv werden

Während wir uns mit dem Drucker herumschlugen, wurden von den anderen Düsentriebs, Nähmaschinen, Handys, Notebooks, Küchengeräte, Textilien, Velos und eine Handtasche geflickt.

Wer sich selbst bei Repair Cafés engagieren, gleich selbst eines auf die Beine stellen möchte oder einfach etwas zum reparieren hat, der findet alle Infos dazu auf der Schweizer Website der Repair Cafés repair-cafe.ch.

Kleider tauschen statt kaufen

Ein Stockwerk weiter unten fand gleichzeitig zum Repair Café die Kleidertauschbörse «Share The Schrank» statt. Auch eine tolle Sache. Denn auch die Produktion von Kleidern benötig viel Energie. Und jährlich landen Berge  von Kleidern auf Müllhalden und werden immer mehr durch rasante Moden und Tends zu Fash Fashion und Wegwerf-Artikeln.

An einer solchen Tausch-Börse kann man ein paar seiner Kleidungsstücke bringen, die man nicht mehr will und dafür entsprechend wieder neue Stücke mit nach Hause nehmen. Leider sind Männer-Kleider noch sehr spärlich gesät, doch ich bin zuversichtlich, dass sich das auch noch ändern wird.

Auch für Schnäppchenjäger

Halte doch mal Ausschau nach Kleider-Tauschbörsen in deiner Nähe und besuche einfach mal eine mit ein paar von deinen Klamotten, die du nicht mehr willst. Meistens gibt es da ein ganz tolles Angebot. Und so günstig kommst du sonst nicht an neue Kleider. Und: überschüssige Kleider werden an soziale Institutionen gestiftet.

Fazit

Für mich waren die paar Stunden wieder sehr anregend. Tolle Leute, gute Stimmung und dankbare Menschen, wenn etwas geflickt werden konnte. Ich freue mich schon auf’s nächste Mal.

Im Interview mit Boris Baldinger

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